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Menschen mit Hörbehinderung erleben das Saarland unbeschwert

07.06.2017

Erstmalig vergibt das Netzwerk Hören das Qualitätssiegel „Hören mit Herz“ an touristische Dienstleister

Mit der Tourist-Information Saarlouis und der Tourismus Zentrale Saarland wurden als erstes Betriebe anerkannt, die täglich mit Kunden in Kontakt stehen. Neben den Gästeführerinnen des Saarlandes, Petra Klotz, Jutta Schneider und Monika Wolf, erhielten der Gästeführer Dieter Schmitt und Martin Bambach von Erlebnis-Wandern-Saarland ebenso das Qualitätssiegel. Sie bieten Gästeführungen für Menschen mit Hörschädigung an. Interessierte finden das Angebot im Veranstaltungskalender auf dem Internetportal www.hoeren.saarland. Die nächste anerkannte Stadtführung findet am 5. Juli in Ottweiler statt. Martin Bambach führt seine Gäste am 22. Juli zum St. Ingberter Stiefel.

Deutschlandweit gibt es ca. 14 Millionen Menschen, die nicht ausreichend hören können oder gehörlos sind. Je nach Grad der Höreinschränkung werden kommunikative Situationen zu einer großen Herausforderung und Anstrengung. Für Stadt- und Museumsführungen und viele weitere Freizeitangebote ist ein komfortables Hören für diese Zielgruppe eine Grundvoraussetzung. Die Teilnahme am Freizeit- und Tourismusangebot ist daher oft nur eingeschränkt möglich. Bislang halten nur einige Reiseziele und einzelne Anbieter in Deutschland ein hörfreundliches Angebot bereit.

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger sieht im Netzwerk Hören eine große Chance, sich deutschlandweit mit einem weiteren hochwertigen Angebot für Patienten, Urlauber und die saarländische Bevölkerung zu positionieren. „Das Saarland steht für eine hohe Qualität im Tourismus und somit ist die Entwicklung des Netzwerk Hören mit dem Qualitätssiegel ‚Hören mit Herz‘ ein weiterer Schritt in die richtige Richtung“, so die Ministerin.

Für das Qualitätssiegel „Hören mit Herz“ wurden Kriterien entwickelt, die den Bedürfnissen der Betroffenen gerecht werden und ihnen zukünftig eine Orientierung geben, welche Angebote auf sie zugeschnitten sind. Touristischen Dienstleistern wird mit dem Kriterienkatalog eine Hilfestellung an die Hand gegeben, ihr Angebot auf die Bedürfnisse der Betroffenen auszurichten. Netzwerkleiterin Carola Heimann erläutert: „Das reicht von der Ausstattung der Unterkunft mit hörfreundlicher Technik, wie z. B. Lichtwecker, über Kommunikationshilfen in der Tourist-Information bis hin zu Gästeführungen mit FM-Anlage, die ein barrierefreies Hören ermöglicht.“ Im Seminar „Hören mit Herz“ wurden Mitarbeiter der teilnehmenden Betriebe und Gästeführer im Umgang mit der Zielgruppe geschult. Sie sind für die Besonderheiten und Einschränkungen sensibilisiert und können dem hörbehinderten Menschen in Gesprächssituationen durch ihr angepasstes Verhalten Unterstützung bieten.

Landrat Lauer ergänzt: „Hören ist ein essentieller Baustein für barrierefreien Tourismus. Zuhören können ohne Einschränkung, das machen wir in unserer Touristinfo in Saarlouis möglich. Ob beim Stadtrundgang mit speziellen Kopfhörern oder mit internen Akustikdecken und Gesprächsverstärkern – wir hören mit Herz und freuen uns sehr über die Auszeichnung des Netzwerk Hören.“

Um die Weiterentwicklung des Projektes zu unterstützen, stellt das Wirtschaftsministerium in diesem Jahr eine Fördersumme von 100.000 Euro zur Verfügung. Damit werden Investitionen in ein hörfreundliches Übernachtungsangebot und Freizeiteinrichtungen möglich. „Wir erhoffen uns, dass sich das Angebot des Netzwerk Hören im Saarland auf die Fläche ausbreitet“, so Ministerin Rehlinger.



Bildnachweis: Landkreis Saarlouis/Lara Kühn

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